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(a) an den Haaren herbeiziehen (11✕) 

Formale Varianten in Wörterbüchern

  • etw. bei den Haaren herbeiziehen (Adelung).

  • etw. an den Haaren herbeiziehen (Borchardt).

  • etw. an den Haaren herbeiziehen (DWB – ‚herbei‘).

  • an den Haaren herbeiziehen (LdSpR – ‚Haar‘).

  • an einem Härlein heranziehen (LdSpR – ‚Haar‘).

  • Etwas bey den Haaren herbey ziehen (WddU – ‚Haar‘).

Diachrone Angaben dazu in Wörterbüchern

  • WddU – ‚Haar‘: „1649 bucht Gerlingius unter Nr. 63: »Capillis trahere. Bey oder mit den Haaren herzu ziehen«“

Transformationen

Das Phrasem wird in den Belegen folgendermassen verwendet:

  • 63,6% im Aktiv (A) / 36,4% im Passiv
  • 90,9% in positiver Form (+) / 9,1% in negierter Form
  • 100% als Aussage / 0% als Frage (?)
  • 0% satzwertig (S) / 100% satzteilwertig

Bedeutungen

  • (a) der und das widerspänstige wird bei den haaren herbeigezogen (4✕) 
    Angaben dazu in Wörterbüchern
    • DWB – ‚haar‘: der und das widerspänstige wird bei den haaren herbeigezogen

  • (b) es auf eine gezwungene Art anbringen, oder auf etwas anwenden, es zu weit herhohlen (6✕) 
    Angaben dazu in Wörterbüchern
    • Adelung: es auf eine gezwungene Art anbringen, oder auf etwas anwenden, es zu weit herhohlen

    • Borchardt: mit Gewalt herbeiziehen, was nicht zur Sache gehört', z. B. wenn ein Redner absonderliche, weit abliegende Beispiele einflicht.

    • DWB – ‚ziehen‘: ist ein gewaltsam angezogener beweis

    • LdSpR – ‚Haar‘: die Logik vergewaltigen; mit einem Argument kommen, das überhaupt nicht zur Sache gehört; z.B. wenn ein Redner absonderliche Beispiele einflicht

    • WddU – ‚Haar‘: unzusammenhängende Dinge oder Vorgänge miteinander in Verbindung bringen

  • (c) leicht heranziehen (1✕) 
    Angaben dazu in Wörterbüchern
    • LdSpR – ‚Haar‘: leicht heranziehen

  • (d) jmd. wird von einem Zwang getrieben (0✕) 
    Angaben dazu in Wörterbüchern
    • OLdPhras: -

  • In den Belegen wird das Phrasem zu 72,7% idiomatisch  und zu 27,3% wörtlich  gebraucht
  • In 0% der Belege wird der phraseologische Gebrauch metasprachlich angezeigt
  • Explizite Hinweise auf die Bedeutung des Phrasems finden sich in 0% der Belege

Gebrauch

Das Phrasem kommt in folgenden Textsorten vor:

  • (a) Zeitungs-/Zeitschriftentext: 9,1%
  • (b) Belletristik: 81,8%
  • (c) Fachtext: 9,1%

Das Phrasem wird in folgenden sprachlichen Kontexten verwendet:

  • (a) konzeptionell mündlicher Kontext: 27,3%
  • (b) konzeptionell schriftlicher Kontext: 72,7%

Beschreibung der kulturhistorischen Entwicklung

Angaben in Wörterbüchern

  • LdSpR – ‚Haar‘: „Die heutige Färbung der Redensart ›mit Gewalt‹ hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Gerade weil etwas durchaus zur Sache gehört, zieht man es trotz allen Widerstandes (›mit Gewalt‹) an den Haaren herbei. Die heutige Bedeutung dankt ihre Entstehung der Ironie. | Zur ursprünglichen Bedeutung vgl. Hans Sachs' Fastnachtsspiel ›Petrus und seine Freunde auf Erden‹ (363): || Weil sie durch woldat von mir fliehen, | Muß ichs (= sie) mit dem har zu mir ziehen. || In älterer Zeit ist außerdem das feinere Gegenstück An einem Härlein heranziehen: leicht heranziehen, bezeugt, so 1541 bei Sebastian Franck (I, 84): »Man mag den willigen leicht winken. Mit eim härlin zöh man jn darzu«. 1639 bei Lehmann S. 97 (Will 16): »Wer willig ist, den kan man leicht erbitten, mit eynem Härlein herbey ziehen«.“

  • WddU – ‚Haar‘: „Leitet sich wohl her von einem unwilligen Tatzeugen, den man bei den Haaren vor den Richtertisch bringt.“

  • LdSpR – ‚Haar‘: „Die heutige Färbung der Redensart ›mit Gewalt‹ hat sich erst im Laufe der Zeit entwickelt. Gerade weil etwas durchaus zur Sache gehört, zieht man es trotz allen Widerstandes (›mit Gewalt‹) an den Haaren herbei. Die heutige Bedeutung dankt ihre Entstehung der Ironie. | Zur ursprünglichen Bedeutung vgl. Hans Sachs' Fastnachtsspiel ›Petrus und seine Freunde auf Erden‹ (363): || Weil sie durch woldat von mir fliehen, | Muß ichs (= sie) mit dem har zu mir ziehen. || In älterer Zeit ist außerdem das feinere Gegenstück An einem Härlein heranziehen: leicht heranziehen, bezeugt, so 1541 bei Sebastian Franck (I, 84): »Man mag den willigen leicht winken. Mit eim härlin zöh man jn darzu«. 1639 bei Lehmann S. 97 (Will 16): »Wer willig ist, den kan man leicht erbitten, mit eynem Härlein herbey ziehen«.“